Kolumne des Monats
Juni 2015

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Von Stürmen und Stürmern

Der Monat Mai war von zwei Stürmen geprägt. Dem Sturmtief „Zoran“, nach dem die Stadt Bützow bei Rostock so aussah, wie viele Städte 1945; und dem Sturmtief „Adolf“, nach dem viele Städte 1945 so aussahen wie die Stadt Bützow 2015. Während das Sturmtief „Zoran“ in den Nachrichten relativ schnell wieder ad acta gelegt wurde, beschäftigt das Sturmtief „Adolf“ die Meteorologen auch 70 Jahre nach seinem Ende immer noch. Dieses tiefste Tief in der Geschichte der deutschen Wetteraufzeichnung bestimmte 12 Jahre lang die europäische Großwetterlage. Nach einer Schönwetterperiode anlässlich der olympischen Spiele 1936 wirbelten die ersten Stürme dann 1938 durch die Sudeten. Anfangs noch mit Unterstützung von Beifallsstürmen aus der Bevölkerung, die das Sturmtief „Adolf“ beflügelten, sich immer weiter in westlicher als auch östlicher Richtung auszubreiten. Überall hinterließ es Schneisen der Verwüstung durch Hagel von Bomben und Granaten und wuchs sich von einem schweren Sturm sogar aus zu einem Zyklon B, der Millionen Menschen das Leben kostete. Schließlich traf es bei Stalingrad auf eine Kaltfront, von der es endlich aufgehalten und in einem Stahlgewitter bis zu seinem Entstehungsort zurückgedrängt wurde. Mit Unterstützung eines Hochdruckgebietes vom Atlantik her, wurde dann am 8. Mai 1945 dem Sturmtief „Adolf“ endgültig der Wind aus den Segeln genommen. Aber gerade das ist nun der Streitpunkt unter den Meteorologen. War dieser 8. Mai nun ein Tag der Befreiung von einem Sturmtief? Oder nur ein Tag der Windstille? Der Wetterfrosch Joachim Gauck schaute kurz aus seinem Wetterhäuschen „Bellevue“ heraus und sagte. Er wäre dafür dankbar. Ob dieser Formulierung bekam die Wetterfee Erika Steinbach vom meteorologischen Dienst der CDU versetzte Winde und sagte von Dankbarkeit könne keine Rede sein, höchstens von Glück. Hubertus Knabe von der Unwetterwarnzentrale Berlin-Hohenschönhausen sagte, ein Tag der Befreiung wäre es höchstens für den Osten Deutschlands gewesen. Da wurden die Leute befreit. Die Männer von ihren Taschenuhren und die Frauen von ihrer Unschuld. Horst Seehofer wetterte aus Bayern: Das war eine bittere Niederlage. Es stellte sich aber heraus, dass er nicht den 8. Mai 1945 meinte, sondern den 6. Mai 2015, als der FC Bayern gegen den FC Barcelona 0:3 verlor. Und so bleibt die einzig gesicherte Erkenntnis: Der 8. Mai 1945 war ein Dienstag.